Dimmung

"Wetzen schillernder Rümpfe," tauche, zerstreut, auf und werfe zerstreut mein sehr langes glitzerndes Haar aus sehr ungleich dicken störrischen Haaren über den Nacken, "siehst du, ein neidloses Glück zu korrodieren!" Wer mit Sonnenbrillen auszieht, das Fürchten zu lernen, weiß genau, was sie tut. Sie muss drei Mal um den Trevibrunnen stolpern, bevor sie den Ausgang findet. Vorher war sie in ihren Augen, er nicht da. Nun aber bietet sich seine blaue Flucht ihrem Rücken an. Und auch wenn sie beim Eintritt in Bars praktisch blind ist, ist es die richtige Vorgehensweise, um im Wissen zu bleiben, was sie tut. Und was sonst sollte vorläufig der Sinn ihrer Handlungen sein? Wenn sie den Schlag, oder das Kompliment, nicht kommen sieht, die beiden auch nicht unterscheiden kann, war es genau richtig. Wenn sie zitternd am Boden liegt unter einem Wimpernschläger, der vor Tatendrang sabbert, war es auch richtig, wenn auch zuviel. Wenn sie anfangen, sie zu bitten, ob sie nicht lieber endlich die Brille absetzen wolle, darf sie keinen Augenblick kirre werden, nein! Sie muss sie unbedingt anbehalten. Erst beim Wangenkuss zum Abschied darf und soll sie galant und unauffällig die Schale entfernen, die hier klackerte. Da sie von der Dimmung des Anderen nahtlos abgelöst wird, ist sie ohnehin nunmehr überflüssig. Und sie wird sich weiter fürchten, die ganze Nacht lang immer wieder erschaudern und erschrecken, über sich selbst und den anderen auch. Sie wird durch den Vorgang zum Gespenst werden. Das Gespenst, sagt Adorno, ist das Wasserzeichen der Wirklichkeit, an dem wir die Herstellerfirma der Wirklichkeit erkennen.

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