Verschwinden

Weder Information noch Genuss ist es, womit ich handle; Hypothesen sind es auch nicht. Es geht um Überzeugung, von mir natürlich, und darum, was ich nach diesen ausführlichen Behandlungen gezwungen werden könnte zu denken und zu formulieren. Etwas ganz anderes. Doch alles wäre darin gespeichert. Ich würde handeln wie ohne Bemühung, ohne Notwendigkeit, ohne handwerkliche Besinnung. Unabängig davon wäre es richtig. Die Ergebnisse meiner Behandlungen agierten ungesehen in allem, was ich bin, ohne daraus hervor zu ragen. Als änderte sich unter Einfluss von Strahlen verschiedener Natur und in unterschiedlichen Graden von Gefährlichkeit mein Skelett und das Fleisch zöge unauffällig mit, dies aber unter dem Diktat meines Geistes, der die Bauarbeiten je nach Stimmung anfeuerte oder zu drosseln versuchte. Man wüsste nicht, wer wen stützte oder zwang, Grenzen setzte, streifte oder übersteuerte. Grenzen, die man ohnehin vor Horror meidet, nicht einmal länger schauen möchte, und solche, die man mit einem Ellbogen längst vom Tisch gefegt hat, ohne das zu merken. Der Sitznachbar steckte dir hin und wieder einen Wink zu, oder eine kurze Erklärung. Zwei, drei Worte, mehr nicht. Du kiefeltest lange daran und spucktest es durchs Zimmer, sobald du – den Wortlaut immerhin – begriffen zu haben meintest. Jahrzehnte später fällt der Halbsatz in seine Logik, die sich für einen Moment – seinen vollen Zweck – ausbreitet wie ein flüchtiger, später Sonneeinschub, und gewaltig, europaweit seinen Ausfall verteilt, ohne dass jemand das Geringste davon wahrnimmt. Diese Dinge braucht man erst gar nicht zu verheimlichen. Sie sind momentweise im ganzen Universum aufgelöst, dispergiert – oder man könnte sagen, ihr Algorithmus bestimmt für einen Augenblick die spezifische Auflösung und Aufteilung des Universums – wie wenn ich nicht da bin, ohne dass ein Zipfel von mir nicht von unter der Bettdecke hervor ragt, der etwa diesem klandestinen Text hier entspräche.

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