Orkan

Ein unsichtbarer und ungewisser Regen, eine Art Seuche, atomare Möglichkeit oder Gefahr, wie die Absenz kaum greifbar und unfasslich wie ein Gegenüber.* Haschen danach ist eine Geste an der Grenze zum Kitsch. Wir wissen alle, dass durch Gesten nichts erreicht ist als was an ihnen klüger ist als unsere Intentionen. Und diese Klügerlichkeit ist, bei allem Respekt, auch ziemlich borniert. Wir behaupten, ein trotziges Innen zu haben, und knallen doch mit den hohlen Bäumen zusammen, wenn es heißt, wir hätten etwas aufgestellt. Dämonen kichern da, dumpf, in nicht ganz logisch erklärbarem Raum-Sound umfassend hallend. Man lerne Geduld, die Betrachtung, Bescheidung der Zehennägel, das Lesen von Sätzen, die Berührung von Armsesseln. Es wird gut sein dann, für wohlgewachsene, begrenzte Strecken; es wird nie genug sein, aber du wirst geduldig sein und es nun lernen. *Ein noch nicht Toter schwebt als Fantasma im Luftraum jenseits des Balkons, zwischen den Ästen der beiden Linden. Die Katze des Nachbarn, ungläubig, starrt auf den Fremdling, der sich mit beiden Händen die Rippen aufklemmt zusammen mit dem Hemd, um eine Karte der Mondoberfläche herzuzeigen, oder war es der Thüringer Wald, der sich da auftut? Etwas Beunruhigendes genug war es, mit Namen berühmter Männer und mythischer Frauen, hob und senkte sich leicht wie ein Tier, das vor Aufmerksamkeit flach atmet, schon nicht ganz da, doch zu erstaunt, um zu fliegen.

(c) AusnahmeVerlag & Ann Cotten
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