Alltag

Es gibt keinen Alltag. Was man so nennt, auch, wenn man von etwas davon überzeugt wird, ist, wie die Liebe selbst, eine Summe von Problemen. Probleme kann man lösen. Das ist langweilig. So wie eine halbe Stunde zu früh aus dem Haus zu gehen, um während eines wilden Sturms auf der Oberbaumbrücke zu stehen und den Sturm zu betrachten. Was ist es? Zu billig. Überzeugende, ja umwerfende Böen, die mir etwas Besonderes weiszumachen imstande sind. Es gibt keinen Alltag, insoweit man ihn betrachten kann, außer als Exotismus, ebenso wie man den Regen von unter einer Brücke betrachtet. Der Verzicht, mitten darin zu sein, ist ein Luxus, der sich zum Alltag verhält wie Öl und Wasser. Man kann diese Substanzen vollkommen durcheinanderschütteln und sogar diesen instabil reglosen Zustand erreichen, der als Suspension bezeichnet wird. Trotzdem sieht es aus wie Suppenaugen, und jemand hat auch mal gesagt, Glück und Unglück wären so wie Öl und Wasser, Tropfen oder Lachen von goldenem oder schwarzem Zeug, das auf der Oberfläche von einer möglicherweise unendlichen Tiefe schwimmt. So ist Alltag verführerisch, da Öl auf den ersten Blick nicht von Wasser zu unterscheiden ist, aber enttäuscht wie eine Inszenierung von Figaro, und bleibt kleben, wenn es heiß ist. Übertreiben sie es mit der Arie, kippt die Kulisse um, und die Schauspieler liegen sich tatsächlich in den Armen. Und hören endlich auf zu zittern.

(c) AusnahmeVerlag & Ann Cotten
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